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EU AI Act seit 02.08.2026: was durchgesetzt wird

EU AI Act seit 02.08.2026 — was durchgesetzt wird

Compliance · 10 min · Stand: 21. August 2026

📋 Überblick
Seit dem 2. August 2026 läuft die Anwendung der meisten Bestimmungen des EU AI Act — inklusive Marktaufsicht und Strafrahmen. Seit diesem Tag können Behörden Strafen verhängen — bis zu EUR 35 Mio. oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist). Der Digital Omnibus vom Juni 2026 hat die Pflichten für Hochrisiko-KI verschoben (eigenständige Systeme auf 02.12.2027, eingebettete auf 02.08.2028) — an Art. 4 (KI-Kompetenz, gilt seit 02.02.2025) und Art. 5 (Verbote) hat er nichts geändert. Wer KI im Unternehmen einsetzt, braucht weiterhin nachweisbare Schulung, ein KI-Inventar und einen dokumentierten Prozess für Risikoeinschätzung.

Hard Date: 2. August 2026 — allgemeiner Anwendungsbeginn nach Art. 113 der Verordnung (EU) 2024/1689 für die meisten Bestimmungen (Kapitel I/II bereits seit 02.02.2025, einzelne weitere Bestimmungen seit 02.08.2025). Der Digital Omnibus (EP-Billigung 16.06.2026) hat gezielt die Hochrisiko-Fristen und die Kennzeichnungspflicht verschoben — nicht aber Art. 4, Art. 5 oder den Start der Marktaufsicht.

Was hat sich am 2. August 2026 konkret geändert?

Bis dahin galten viele Teile des EU AI Act bereits — aber ohne aktiven Strafrahmen. Ab dem Enforcement-Datum greifen drei Blöcke parallel:

1. Governance-Strukturen werden operativ

  • Nationale Aufsichtsbehörden (Market Surveillance Authorities) müssen benannt sein
  • Notified Bodies für Konformitätsbewertung von High-Risk-Systemen sind akkreditiert
  • Das European AI Office (Brüssel) übernimmt die Aufsicht über General-Purpose AI
  • EU AI Board und Advisory Forum sind formell gestartet

2. GPAI-Pflichten (Art. 51-55) gelten verbindlich

  • Anbieter von General-Purpose AI Modellen (z.B. GPT, Llama, Mistral) müssen technische Dokumentation vorhalten
  • Modelle mit systemischem Risiko (FLOPS-Schwelle 10^25) brauchen zusätzliche Risikobewertung + Cybersicherheit-Nachweise
  • Transparenzpflicht: Trainings-Daten-Zusammenfassung muss veröffentlicht werden
  • Copyright-Compliance gegenüber EU-Urheberrecht (Text-und-Data-Mining-Opt-Out)

3. Art. 4 (KI-Kompetenz) wird behördlich durchsetzbar

  • Art. 4 (KI-Kompetenz) gilt rechtlich seit 02.02.2025 — bislang ohne aktive Aufsicht
  • Seit 02.08.2026: Die nationalen Marktaufsichtsbehörden können Art.-4-Verstöße mit Sanktionen und Maßnahmen nach nationalem Recht belegen (Art. 99 Abs. 1); Art. 99 Abs. 4 sieht für Art. 4 keinen eigenen EU-Bußgeldtatbestand vor
  • Art. 5 (Verbote) ist durchsetzbar mit bis zu EUR 35 Mio. oder 7% Umsatz (Art. 99 Abs. 3)

Digital Omnibus: Was seit dem 02.08.2026 gilt — und was der Omnibus verschoben hat

Das Europäische Parlament hat am 16. Juni 2026 die Änderungen aus dem „Digital Omnibus on AI“ in erster Lesung gebilligt (423/57/174). Damit verschieben sich gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan:

  • Eigenständige Hochrisiko-KI (Anhang III): Pflichten ab 02.12.2027 statt 02.08.2026
  • Eingebettete Hochrisiko-KI (regulierte Produkte, Anhang I): Pflichten ab 02.08.2028 statt 02.08.2027
  • Maschinenlesbare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte: für vor dem 02.08.2026 in Verkehr gebrachte Systeme bis 02.12.2026 verschoben
  • Neu: Verbot von „Nudifier“-Apps und KI-generiertem Missbrauchsmaterial — Übergangsfrist bis 02.12.2026

Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026, veröffentlicht im EU-Amtsblatt am 24. Juli 2026 (ABl. L, 2026/1744; CELEX 32026R1744), in Kraft seit 27. Juli 2026. Geprüft an EUR-Lex am 21.08.2026.

Wer ist betroffen?

RolleWas seit 02.08.2026 verpflichtend ist
KMU als DeployerNachweisbare KI-Kompetenz für alle Mitarbeitenden, die mit KI arbeiten. KI-Inventar pflichtig.
KMU als ProviderWer eigene KI-Funktionen in Produkten anbietet, braucht Risiko-Klassifizierung pro System.
GPAI-AnbieterVolle technische Dokumentation, Copyright-Statement, Trainingsdaten-Summary.
Behörden / öffentliche StellenZusätzlich: Fundamental-Rights-Impact-Assessment (Art. 27) für High-Risk-Systeme.

6 Schritte für KMUs, die noch offen sind

  1. 1. KI-Inventar erstellen

    Welche KI-Tools werden eingesetzt? ChatGPT, Copilot, KI-Buchhaltung, KI-Übersetzer, Chatbot, Recruiting-KI — alles erfassen mit Hersteller, Zweck, Datenfluss.

  2. 2. Risikoklasse pro System bestimmen

    Verboten (Art. 5), High-Risk (Anhang III), Limited-Risk (Transparenzpflicht), Minimal-Risk. Vorlage: EU AI Act Risikoklassen.

  3. 3. KI-Kompetenz-Schulung dokumentieren

    Wer wurde wann zu welchem Thema geschult? Schulungsprotokolle, Teilnahmebestätigungen, jährliche Auffrischung.

  4. 4. Transparenz-Pflichten implementieren

    Chatbots, KI-generierte Inhalte (Bilder, Texte, Videos) sind kennzeichnungspflichtig. Disclaimer-Texte vorbereiten.

  5. 5. DPIA / Risikobewertung pro High-Risk-System

    Wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden: Datenschutz-Folgenabschätzung. Bei High-Risk-KI zusätzlich KI-spezifische Risikobewertung.

  6. 6. Menschliche Aufsicht sicherstellen

    Art. 14 verlangt für High-Risk: KI-Entscheidungen müssen von Menschen überprüft werden können. Eskalationspfade definieren.

Timeline bis Enforcement

DatumStatus
02.02.2025Art. 4 (KI-Kompetenz) + Art. 5 (Verbote) bereits in Kraft — ohne Strafdurchsetzung
02.08.2025Governance-Regeln + GPAI-Pflichten gelten
02.08.2026ENFORCEMENT-START — Marktaufsicht + Strafrahmen aktiv, die meisten Bestimmungen gelten (Hochrisiko-Pflichten per Omnibus verschoben)
02.12.2026Omnibus: Kennzeichnungspflicht für Alt-Systeme + Ende Übergangsfrist Nudifier-Verbot
02.12.2027Omnibus: Pflichten für eigenständige Hochrisiko-KI (Anhang III)
02.08.2028Omnibus: Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Anhang I)

Faustregel für KMUs: Wenn dein Unternehmen ChatGPT, Copilot oder vergleichbare KI-Tools im Arbeitsalltag nutzt, brauchst du bis zum 02.08.2026 mindestens: (a) ein dokumentiertes KI-Inventar, (b) Schulungsnachweise für alle Mitarbeitenden, (c) eine schriftliche Risikoeinschätzung pro System.

Häufige Missverständnisse

„Wir sind zu klein, das gilt nicht für uns."
Falsch. Es gibt keine KMU-Ausnahme von Art. 4. Reduzierte Strafhöchstbeträge ja, aber die Pflicht selbst gilt unabhängig von Unternehmensgröße.

„Wir nutzen nur ChatGPT, das ist doch kein KI-System nach AI Act."
Falsch. Sobald du ChatGPT geschäftlich einsetzt, bist du Deployer eines KI-Systems im Sinne der Verordnung — Art. 4 greift.

„Ein Online-Kurs reicht als Nachweis."
Nur teilweise. Der EU AI Act verlangt Schulung passend zur Rolle und zum Kontext — ein generischer 30-min-Kurs ist meist zu dünn. Buchhaltung, HR und Entwicklung brauchen unterschiedliche Inhalte.

„Erst wenn eine Behörde fragt, müssen wir reagieren."
Riskant. Bei einem Datenschutz-Vorfall mit KI-Beteiligung würde fehlende Dokumentation als verschärfender Umstand gewertet — auch ohne anlasslose Prüfung.

Was AI Engineering empfiehlt

Aus Sicht des AI Engineering Wiki ist die Reihenfolge wichtig: Erst das KI-Inventar, dann die Schulung, dann die Risikoeinschätzung. Wer mit der Risikobewertung beginnt, ohne zu wissen welche Systeme im Einsatz sind, dokumentiert auf Verdacht und verbringt mehr Zeit als nötig. Self-hosted Open-Source-Modelle (z.B. via Ollama) reduzieren die DSGVO-Last erheblich und vereinfachen die Risikobewertung — gleichzeitig bleibt die Pflicht zur KI-Kompetenz-Schulung bestehen, unabhängig vom Deployment-Ort.

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Quellen

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