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KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act

Compliance · 12 min · Stand: März 2026

ACHTUNG: Art. 4 KI-Kompetenz gilt seit 2. Februar 2025! Die Pflicht zur KI-Kompetenz ist keine zukünftige Deadline — sie ist bereits in Kraft. Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, müssen jetzt sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Es gibt keine Einheitszertifizierung, keine Pflicht zu einem AI Officer und keine One-size-fits-all-Schulung. Die Überwachung und Durchsetzung (Enforcement) mit Strafen bis EUR 15 Mio. oder 3% des weltweiten Jahresumsatzes startet ab August 2026.

Was ist Art. 4?

Artikel 4 des EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) verpflichtet alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, sicherzustellen, dass ihr Personal über ein ausreichendes Mass an KI-Kompetenz verfügt. Das gilt unabhängig von der Risikoklasse des KI-Systems — also auch für Minimal-Risk-Anwendungen wie Chatbots oder Empfehlungssysteme.

Art. 4 im Wortlaut (Kernaussage)

“Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind, über ein ausreichendes Mass an KI-Kompetenz verfügen, wobei ihre technischen Kenntnisse, ihre Erfahrung, ihre Ausbildung und Schulung sowie der Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, [...] zu berücksichtigen sind.”
KI-Kompetenz Betroffenen-Matrix — Wer muss geschult werden
Betroffenen-Matrix: Welche Rollen im Unternehmen KI-Kompetenz nachweisen müssen

Wer ist betroffen?

RolleBeispieleBetroffen?
KI-AnbieterSoftware-Hersteller, SaaS mit KI-FeaturesJa
KI-Betreiber (Deployer)Jedes Unternehmen das KI-Tools nutztJa
MitarbeitendeAlle die KI-Systeme bedienen oder damit arbeitenJa
Endnutzer (Privatpersonen)Private ChatGPT-NutzungNein

In Österreich sind schätzungsweise 400.000 Unternehmen betroffen — jedes KMU, das ChatGPT, Copilot, KI-gestützte Buchhaltung oder andere KI-Tools einsetzt. In Deutschland und der Schweiz gilt das entsprechend für alle Firmen im EU/EWR-Raum.

Art. 4 EU AI Act Timeline — Fristen und Pflichten
Art. 4 Timeline: Pflicht seit 02.02.2025 — Enforcement ab August 2026
KI-Kompetenz Schulungsplan — 4 Kompetenzbereiche
KI-Kompetenz Schulungsplan: Die 4 Kompetenzbereiche für Art. 4 Compliance

Was muss geschult werden?

Der EU AI Act definiert keine fixen Lehrpläne, aber aus dem Gesetzestext und den Erwägungsgründen lassen sich folgende Kompetenzbereiche ableiten:

1. Grundverständnis KI

  • Was ist künstliche Intelligenz, was kann sie, was nicht
  • Unterschied zwischen regelbasierten Systemen und Machine Learning
  • Grundbegriffe: Modell, Training, Inference, Halluzination

2. Risiken und Limitationen

  • Bias und Diskriminierung in KI-Ausgaben
  • Halluzinationen und fehlerhafte Outputs
  • Datenschutz-Risiken bei Cloud-KI (Drittlandtransfer)
  • Manipulationsrisiken (Prompt Injection)

3. Rechtlicher Rahmen

  • EU AI Act Risikoklassen (Verboten, Hoch, Mittel, Minimal)
  • Transparenzpflichten (Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten)
  • DSGVO-Anforderungen bei KI-Nutzung
  • Dokumentationspflichten

4. Praktische Anwendung

  • Verantwortungsvoller Umgang mit KI-Tools im Arbeitsalltag
  • Wann KI-Ergebnisse prüfen, wann vertrauen
  • Meldepflichten bei Fehlfunktionen
  • Menschliche Aufsicht sicherstellen

Strafen bei Nichteinhaltung

VerstossStrafe
Verbotene KI-Praktiken (Art. 5)Bis EUR 35 Mio. oder 7% Umsatz
Nichteinhaltung von Art. 4 (KI-Kompetenz)Bis EUR 15 Mio. oder 3% Umsatz
Falsche Angaben an BehördenBis EUR 7,5 Mio. oder 1% Umsatz

Für KMUs und Start-ups gelten proportionale Höchstbeträge — der jeweils niedrigere Betrag.

Timeline

DatumWas passiert
12.07.2024Im EU-Amtsblatt veröffentlicht
01.08.2024EU AI Act in Kraft getreten
02.02.2025Verbote (Art. 5) + KI-Kompetenz (Art. 4) GELTEN BEREITS
02.08.2025Governance-Regeln gelten
02.08.2026Vollständige Anwendung + Enforcement/Überwachung startet, Strafen möglich
02.08.2027Hochrisiko-KI in regulierten Produkten

Checkliste: KI-Kompetenz umsetzen

  • 1. Inventar erstellen: Welche KI-Systeme setzt dein Unternehmen ein?
  • 2. Betroffene identifizieren: Welche Mitarbeitenden arbeiten mit KI?
  • 3. Schulungsbedarf ermitteln: Welches Kompetenzniveau ist nötig (abhängig von Rolle und Risikoklasse)?
  • 4. Schulungen durchführen: Grundlagen, Risiken, rechtlicher Rahmen, praktische Anwendung
  • 5. Dokumentation: Schulungsnachweise aufbewahren (wer, wann, was)
  • 6. Regelmäßig wiederholen: KI entwickelt sich schnell — Schulungen jährlich aktualisieren

Schulungsnachweis führen

Der AI Act verlangt keine bestimmte Zertifizierung, aber du musst nachweisen können, dass du “nach besten Kräften” Maßnahmen ergriffen hast. Das bedeutet:

  • Schulungsprotokolle mit Datum, Teilnehmer, Inhalt
  • Regelmäßige Auffrischung (mindestens jährlich)
  • Anpassung an den Kontext (HR-Abteilung braucht andere Schulung als IT)
  • Nachweisbare Materialien (Unterlagen, Tests, Teilnahmebestätigung)

Österreich-spezifisch

  • Zuständige Behörde: Noch nicht final festgelegt (Stand März 2026). Die RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) ist als Marktaufsichtsbehörde im Gespräch.
  • Gewerberecht: KI-Schulungen fallen unter freies Gewerbe (Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung) — keine Gewerbeberechtigung nötig für allgemeine KI-Schulungen.
  • WKO Förderungen: Digitalisierungsförderungen des BMAW können für KI-Schulungen genutzt werden.

Weiterführend

Quellen

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